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«Unsere Zukunft in der digitalen Wirtschaft», Mathias Maierhofer Vorsitzender der Geschäftsleitung (links), Réne Schiefer CTO (mitte) im Gespräch mit Daniel Bargetze CEO Vaduzer Medienhaus AG (rechts).  (Foto: Daniel Schwendener)

Was für Herausforderungen sehen die Sponsoren des Wirtschaftswunders zum Thema des Anlasses «Unsere Zukunft in der digitalen Wirtschaft»? Der Presenting Partner FL1 im Gespräch mit Daniel Bargetze. Rene Schiefer ist Chief Technology Officer (CTO) von FL1 und damit zuständig für die Gesamttechnik für Mobilfunk und Festnetz. Als CEO von FL1 trägt Mathias Maierhofer  die Gesamtverantwortung für das Unternehmen.

Wie viele Telefonzellen braucht ein Technologie-Hub?
Rene Schiefer: Vermutlich keine – aber ich denke, Sie wollen darauf hinaus, wie viele es noch in Liechtenstein gibt?

Genau.
Rene Schiefer: Es sind  38 Telefonzellen inklusive der Geräte in Schulen und öffentlichen Gebäuden. Die Geräte werden kaum mehr benutzt, was nicht weiter verwundert: Selbst wenn man damit jemanden anrufen wollte – wer kennt heutzutage noch Nummern auswendig?

Ist Liechtenstein bereit für die digitale Zukunft?
Mathias Maierhofer: Ich bin grundsätzlich optimistisch.

Begeisterung klingt anders.
Mathias Maierhofer: Wichtig ist, dass die Unternehmen die Voraussetzungen für die Digitalisierung schaffen und Bereichtschaft zeigen, Veränderungen in Angriff zu nehmen, neue Abläufe, neue Services und neue Geschäftsmodelle zu prüfen. Dem wird meines Erachtens noch zu wenig Beachtung geschenkt.

Wo noch besteht Handlungsbedarf?
Rene Schiefer: Wir müssen den Ausbau des Glasfasernetzes vorantreiben: Bis ins Jahr 2018 sollten wir 80 Prozent der Haushalte mit Glas erreichen. Dabei geht es nebst den Privatkunden auch um den Wirtschaftsstandort Liechtenstein: Wir schaffen damit den Sprung in die Gigabit-Gesellschaft, in der wir ein Gigabit pro Sekunde und Nutzungseinheit abliefern können.
Mathias Maierhofer: Ein rein homogenes Glasfasernetz ist zudem deutlich günstiger im Betrieb, ermöglicht auch kundenfreundlichere Abläufe: Dienstleistungen können unmittelbar bezogen werden. Wie Rene Schiefer erwähnt, geht es nicht nur um den privaten Bereich, sondern auch um höhere  Bandbreiten für Mitarbeiter, für Unternehmen.  Es ist erwiesen, dass Regionen und Städte, die hier vorangeschritten sind,  auch eine höhere Dichte an innovativen Unternehmen aufweisen: Stockholm, Singapur, London sind einige Beispiele. Die Glasfaser-Infrastruktur wird dort für neue Wertschöpfung genutzt.

Wann wird Mobilfunk schneller als Festnetz-Internet?
Rene Schiefer: Funk hat physikalische Begrenzungen, aber auch hier schreitet die Entwicklung voran: Jetzt kommt in einigen Jahren  der  5G-Standard und ich gehe davon aus, dass es auch ein 6G geben wird.

Was bedeutet 5G?
Rene Schiefer: Bis zu 10 Gigabit pro Sekunde. Damit könnte der Inhalt einer DVD in 3,6 Sekunden übertragen werden. Zudem verbraucht der 5G-Standard bis zu 90% weniger Strom.

Warum wird die Datenleistung immer besser, aber «s» und «f» lassen sich beim Telefonieren immer noch nicht unterscheiden?
Rene Schiefer: Mit HD Voice wäre bereits heute eine bessere Qualität möglich – aber beide Endgeräte müssen es unterstützen. In den kommenden 12 bis 18 Monaten werden wir VoLTE- Sprachvermittlung in Liechtenstein einführen – das ist Voice over IP (VoIP)  über das Mobilfunknetz.

Was sind die Vorteile?
Rene Schiefer: Bei VoLTE wird die Sprache sehr viel klarer, es werden auch die Randfrequenzen übertragen. Die Zeit, in der das Gespräch aufgebaut wird, wird massiv verkürzt.

Wie stark bedrohen Messenger Services das Geschäftsmodell von FL1?
Mathias Maierhofer: Die Telekommunikationsanbieter müssen aufpassen, dass sie nicht zum blossen Anbieter des Datenkanals werden und die Services von Dritten aus Übersee erbracht werden – somit würde auch die Wertschöpfung nicht in Liechtenstein oder in Europa erbracht. Deshalb versuchen wir, mit eigenen Diensten wie VoLTE, Cloud-Services und unseren Fernsehprodukten zu überzeugen. Das ist unsere Antwort auf Mitbewerber wie WhatsApp und Facebook.

In vielen Strategiepapieren wünscht man sich Liechtenstein als «Technologie-Hub» oder «Datenstandort». Sind wir auf dem Weg dorthin?
Mathias Maierhofer: Es ist sehr schwierig, einen Technologie-Hub am Reissbrett zu entwerfen. Aber es gibt Chancen. Diese liegen beispielsweise beim Thema IT-Sicherheit. Aufgrund der erhöhten Sensibilität für Datenschutz und die gute geographisch Lage hat IT-Sicherheit das Potenzial, ein grösseres Thema für Liechtenstein zu werden. Es braucht jedoch Unternehmen, die vorangehen und die Kraft haben, um sich herum einen Cluster zu bilden. Fakt ist: Das Thema wird immer mehr nachgefragt.

Warum?
Mathias Maierhofer: Wegen des Trends zum «Internet of everything»: Alles hat Sensoren und ist mit dem Internet verbunden. Hier muss sich jeder fragen: Was bedeutet es für mich und für mein Unternehmen, wenn das Internet allgegenwärtig ist? Dann kommt zwangsläufig eine hohe Security-Relevanz ins Spiel.

Wie halten Sie sich beim Thema Digitalisierung fit?
Rene Schiefer: Ich lese gerne Branchenreports, beispielsweise von Gartner.
Mathias Maierhofer: Ich lese gerade das Sachbuch «The inevitable» – das Unvermeidbare. Kevin Kelly beschreibt darin, welche Technologien uns in Zukunft prägen werden. Absoluter Lesetipp!