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Der analoge Kugelschreiber täuscht: Michael Hasler, Chef der grössten Krankenkasse Liechtensteins, zur Digitalisierung der Concordia.  (Foto: Daniel Schwendener)

Was für Herausforderungen sehen die Partner des Anlasses zum Thema «Unsere Zukunft in der digitalen Wirtschaft»? Die Concordia im Gespräch mit dem «Vaterland».

Michael Hasler ist Leiter der Concordia Landesvertretung Liechtenstein und damit verantwortlich für die Anliegen von rund 28 500 Versicherten. Er berichtet, vor welchen digitalen Herausforderungen die Concordia steht.

Das Thema des «Wirtschaftswunders» lautet «Unsere Zukunft in der digitalen Wirtschaft». Wie ist die Concordia von der Digitalisierung betroffen?
Michael Hasler: Was Aussenstehende vielleicht nicht erwarten und verwundern wird: Die Concordia ist bereits heute in vielen Bereichen hoch digitalisiert. Erst kürzlich haben wir die E-Rechnung eingeführt, welche unseren Versicherten eine praktische und sichere Alternative zur Papierrechnung bieten kann. Wir verarbeiten pro Jahr hier in Liechtenstein rund 250 000 Belege, welche uns grösstenteils auf elektronischem Weg, also digitalisiert, übermittelt werden. Die Rechnungsprüfung erfolgt zu 20Prozent automatisiert durch umfassende und spezifische Regelwerke mit Tausenden Positionen. Papierarchive sind bereits Geschichte.

Ist die Digitalisierung eher ein Kostenblock oder ein Effizienzgewinn für Ihr Unternehmen?
Letztlich klar ein Effizienzgewinn. Unsere Verwaltungskosten sind mit 5 Prozent sehr tief. Das heisst, von einem finanzierten Prämienfranken verlassen 95 Rappen wieder unser Haus. Die Concordia  prüft und optimiert ihre Prozesse ständig und dazu gehört unter anderem auch die Digitalisierung. Ohne digitalisierte Prozesse könnte der niedrige Verwaltungskostensatz nicht realisiert werden.

Was sind derzeit die grössten technologischen Herausforderungen bezüglich Hard- oder Software?
Zurzeit befinden wir uns im Aufbau eines Kundenportals, damit unsere Versicherten noch einfacher und unbürokratischer ihre Versicherungsgeschäfte erledigen können. Wir setzen den Fokus somit weiter auf Dienstleistung und Service für unsere Kundinnen und Kunden.

Begrüsst die Concordia ein elektronisches Patientendossier? Welche Vor- und Nachteile sehen Sie?
Kaum etwas ist so privat und sensibel wie Gesundheitsdaten. Die Versichertenkarte enthält Magnetstreifen und Chip. Wir wären technisch bereits heute in der Lage,  gewisse Daten auf dieser Karte zu speichern. Hier haben Gesetzgeber und Datenschutz aber sinnvollerweise ein gewichtiges Wort mitzureden. Es braucht ein gemeinschaftliches Verständnis und klare Leitplanken. Wir stecken hier noch in den Anfängen. Unbestritten ist hingegen, dass mit einem elektronischen Patientendossier falsche, doppelte und überflüssige Behandlungen vermieden werden können, was in erster Linie für die Patientinnen und Patienten von Vorteil ist, aber auch zur Stabilisierung der Gesundheitskosten beiträgt.

Was sind generell für Trends in der Gesundheitsbranche zu erwarten hinsichtlich der Digitalisierung?
Die Digitalisierung des Gesundheitswesens, Stichwort «Big Data», ist einer der grossen Trends. Individuelle Aktivitäts- und Gesundheitsdaten aufzuzeichnen bringt sowohl Chancen als auch Risiken mit sich. Es braucht einen verantwortungsvollen Umgang mit sensiblen Daten und Diensten sowie einen hohen Schutz des Individuums. Im Gesundheitswesen gibt es verschiedene Beteiligte und eine digitale Vernetzung kann nur dann gelingen, wenn gemeinsame Leitplanken und Ziele geschaffen und vorangetrieben werden. An den grossen Wurf glaube ich nicht. Zielgerichtet einen Schritt nach dem anderen zu machen, entspricht eher der Realität.